Stegaurach ändert Beleuchtung sensibel

Seit April ist es beschlossene Sache: Die Ortsbeleuchtung der Gemeinde Stegaurach soll nach den Hauptstraßen nun komplett auf LED umgestellt werden. Insgesamt 600 Leuchten für rund 200.000 Euro sollen erneuert werden. Nun holt die Gemeinde allerdings ein neues Angebot von Bayernwerk ein. Denn um nächtliche Lebensräume zu schützen, soll nicht wie geplant weißes LED-Licht verwendet werden, sondern mindestens warmweißes.

Beleeuchtung LED 3

Als wohl erste Kommune im Landkreis Bamberg diskutiert die Gemeinde Stegaurach bei der Einführung von LED-Beleuchtung auch den schädlichen Einfluss von kaltem Licht mit hoher Kelvinzahl. Bei dieser Art der Straßenbeleuchtung wäre zwar die Einsparung bei den Energiekosten am höchsten, doch gibt Zweiter Bürgermeister Bernd Fricke in der Gemeinderatssitzung auch die vielen negativen Einflüsse des Lichts mit hohem blauen Farbanteil zu bedenken: „Durch das helle Licht wird nicht zuletzt der Biorhythmus des Menschen gestört.“

Schutz nächtlicher Lebensräume

Dass der Einfluss schon viel früher beginnt, wurde bereits bei einem gut besuchten Vortrag über den „Schutz und Nutzen nächtlicher Lebensräume“ von Sabine Frank, beim Landkreis Fulda zuständig für den Sternenpark im Biosphärenreservat Rhön, in der Bücherei Stegaurach klar. Sie machte deutlich, dass viele Insekten, Vögel und andere Tiere in ihrer Orientierung und Fortpflanzung von dem hellen blauen Licht stark gestört würden. Ein Übriges täten eine falsche Beleuchtung, die statt der Straßen und Wege Hecken und Fassaden anstrahlt.

Beleuchtung LED 1

Frank empfahl den Stegaurachern deshalb, sensibel mit dem Thema umzugehen und warmweiße LED Lampen mit maximal 3000 Kelvin, oder noch besser bernsteinfarbene LEDs mit noch geringerer Kelvinzahl anzuschaffen, bei denen der blaue Farbanteil fast vollständig herausgefiltert wird. In der Rhön hätten schon etliche Kommunen ihre Straßenbeleuchtung entsprechend umgerüstet. „Zur Vermeidung von Streuung, Blendung und zum Schutz der Insekten soll nur bernsteinfarbenes (amber) bis warmweißes Licht mit geringem Ultraviolett- und Blauanteil eingesetzt werden“, heißt es in der Handlungsempfehlung des Biosphärenreservats Rhön für Umrüstungen der öffentlichen Straßenbeleuchtung, Wege und Parkplätze.

Auch im viel diskutierten Volksbegehren für mehr Artenschutz wird bei Gebäuden der öffentlichen Hand geraten, die Außenbeleuchtung von 23.00 Uhr bis in die Morgendämmerung auszuschalten und auf Leuchtwerbung zu verzichten, so weitere Ausführungen von Fricke. Bisher habe man sich an die DIN-Straßenbeleuchtungsnorm orientiert. Diese sei aber nach Aussage des Bayerischen Gemeindetags nicht verbindlich.

Beleuchtung LED 2Nachtaktive Tiere nicht irritieren

Die überwältigende Meinung des Gemeinderats ging dann auch in Richtung Klima- und Artenschutz. Man wolle „weitgehend Leuchten mit einer Kelvinzahl zwischen 1800 und 2700 anschaffen“.

Ein kleines bisschen mehr, ca. 40.000 Euro, kostet der Gemeinde Stegaurach dieser neue Weg bei der Straßenbeleuchtung: Statt einer Amortisationszeit der Leuchten (in der die Einsparung bei Energiekosten die Anschaffungskosten deckt) von 5,7 Jahren bei 4000 Kelvin sind es bei 1800 Kelvin 7,3 Jahre. Der Schutz der Arten und der nächtlichen Lebensräume ist Stegaurach das wert.