Die Geschichte der Gemeinde Stegaurach

Siedlungsgeschichte

Neben einer bereits wesentlich früheren Besiedlung geht die Entstehung geschlossener Siedlungen im heutigen Raum Stegaurach offensichtlich auf die Zeit der fränkischen Landnahme um 700 bis 900 n.Chr. zurück. Alles eroberte Land gehörte nach fränkischem Recht dem König. Das Verwaltungsgebiet im Frankenreich bildeten die einem Gaugrafen unterstellten Gaue. Stegaurach lag seinerzeit im Volkfeldgau, an den sich nördlich der Grabfeldgau uns nordöstlich der erst später mit der Rauhen Ebrach als Grenze gebildete Radenzgau anschloss. An einem alten Handelsweg zwischen Bamberg und Würzburg entstand Stegaurach.

Im Jahre 973 wurde Stegaurach erstmals unter dem für heutige Ohren sehr fremdartig klingenden Namen "Nendilin Uraha" urkundlich erwähnt. In dieser Urkunde vom 27.06.973 schenkte Kaiser Otto II. dem Bayernherzog Heinrich, dem Vater des späteren Kaisers Heinrich II. die Besitztümer Bamberg ("Papinbere") und Stegaurach ("Nendilin Uraha"). Aufgrund dieser vorgenannten ältesten Urkunde beging die Gemeinde im Jahr 1973 ihr 1.000-jähriges Bestehen.

Die Bezeichnung "Nendilin" verwies dabei auf "die dem Nendilo gehörende Siedlung", während "Uraha" auf die nahegelegene Aurach (= "Wasser, an dem sich Auerochsen - Ure - aufhalten") verwies. Anfangs umfasste der Aurachort dabei wohl nur das Besitztum des Nendilo, nämlich einen größeren Gutshof mit Anbauten für die dort Beschäftigten. 

Nur 39 Jahre nach dem 1.000-jährigen Bestehen im Jahr 1973 feierte die Gemeinde Stegaurach im Jahre 2012 bereits ihr 1.200-jähriges Bestehen. Was war geschehen ? Aufgrund neuer Erkenntnisse aus zwischenzeitlich analysierten historischen Quellen hat sich gezeigt, dass Stegaurach bereits in der spätkarolingischen Zeit gegründet worden sein muss. Es ist an der Universität in Cambridge eine Urkunde aufgetaucht, die die Existenz einer Ansiedlung namens "Uraha" in der Zeit zwischen 810 und 832 nahelegt.

Aus einem die Jahre 1303 bis 1314 umfassenden Lehenbuch des Würzburger Bischofs geht hervor, dass dieser hier noch über "zwei Haben" (= "das Zugeteilte" - etwa 30 bis 40 Tagwerk), nämlich eine Mühle und den Zehnt (= Abgabe - der zehnte Teil des Produktionsertrages) als Grundbesitz verfügte. Später waren ein um etwa um 1250 an der Straße nach Mühlendorf entstandenes Wasserschloss, gegenüber liegend der Gutshof sowie eine Mühle Mittelpunkt der alten Siedlung. Das 1422 im Besitz der Bamberger Bürgergeschlechter Liebsberger und Münzmeister befindliche und zuletzt 1522 vom Bamberger Kammermeister (Camerarier) erworbene Schloss wurde 1525 geplündert, völlig zerstört und nicht mehr aufgebaut. Die Familie der Camerarier waltete dort als Dorfherren ihres Amtes, wobei 1555 von den 35 vorhandenen Höfen allein 15, darunter die Mühle, lehenspflichtig waren.

Daneben entstanden damals ebenfalls schon die Ortschaften Debring und Waizendorf, die wie Stegaurach an einer Stelle lagen, wo die Landstraßen nach Höchstadt, Frensdorf und Burgebrach den Fluss überschritten. In Stegaurach führte anstelle einer Furt später ein Steg über die Aurach. Hier kreuzte "der vom Hohen Kreuz über den Haan kommende, über Dellerhof nach Grasmannsdorf und weiter nach Würzburg führende" Fuhrweg das Gewässer. Vor dem Steg lag bezeichnender Weise auch eine alte Schankstatt (heute Brauerei Windfelder), wo Mensch und Gespann neue Kräfte sammelten, bevor sie die mühsame Fahrt über die südliche Höhe antraten.

Nach zum Teil wechselvoller Geschichte unter verschiedenen Lehensherren fiel die Dorfherrschaft mit dem Aussterben des Geschlechts der Camararier (1741) der fürstlichen Hofkammer Bamberg zu. Der im Jahre 1556 im Eigentum derer von Rotenhan stehende Gutshof wird heute als sog. "Lichtensteiner Hof" von der Brauerei Krug genutzt. Ein 1725 vom fürstbischöflichen Geheimrat Böttinger durch Johann Dientzenhofer errichtetes barockes Landhaus wurde im Dezember 1926 teilweise durch Brandschaden vernichtet und wird in seinem heutigen Restzustand als sog. Böttinger Schlösschen von der Metzgerei Diller als Wohnhaus genutzt.

Nach den Wirren und Brandschatzungen im Markgrafenkrieg (1552/54), dem 30-jährigen Krieg, dem Siebenjährigen Krieg (1758) und den Franzoseneinfällen in den Jahren 1796 und 1800/1801 wurde Stegaurach im Zuge der Säkularisation 1805 selbständige Gemeinde im Sinne des bayerischen Rechts.

Bis zur heutigen Bezeichnung war die Schreibweise des Gemeindenamens Stegaurach starken Abwandlungen unterworfen. Der Name "Nendelin Uraha" wechselte 1138 in "Uraha", 1203 in "Urah", 1272 in "Urach", 1315 in "Kirchenaurach", 1420 in "Obernaurach", 1433 in "Aurach am Stege", 1479 in "Aurach", 1632 in "Auerig" und schließlich seit Beginn des 19. Jahrhunderts in "Stegaurach".

Das vorbezeichnete Besitztum des Nendelin bildete einen wichtigen Grundstock bei der Schaffung des Bistums Bamberg, denn in einer Urkunde vom 07.05.1008 trat der Würzburger Bischof Heinrich Teile seiner Diözese an den Kaiser ab, um damit diesem seinen Lieblingstraum - die Errichtung eines Bistums gegen die Slawen, welche damals Teile der von ihm beherrschten Territorien umgaben - zu ermöglichen. Unter den vom Würzburger Oberhirten abgegebenen Gebieten befand sich auch "Nendelin Uraha", also das spätere Stegaurach. Diese Schenkung begründete die über Jahrhunderte andauernde Verbindung der Gemeinde Stegaurach mit Bamberg. Daran sollte sich auch bis zur Schaffung einer eigenen Pfarrei am 01.05.1762 nichts ändern.
In damaligen Zeiten war das Vorhandensein einer eigenen Kirche ja häufig auch ein besonderes Ortsmerkmal. Das heutige Stegaurach, welches diesen Namen erst in der napoleonischen Ära erhielt, machte in diesem Zusammenhang keine Ausnahme, ja sogar die Kirche zeitweilig zum Namensbestandteil. Dies geschah im Jahre 1315, wo aus „Urach“ (Aurach) „Kirchenaurach“ wurde. Der 1589 erschienene „Pfintzing-Atlas“ - erstes kartographisches Werk über Stegaurach - gibt jedenfalls Kenntnis vom Standort dieses Gotteshauses, das aber wohl nur die Ausmaße einer Kapelle hatte. Dennoch besaß es schon einen Friedhof, welcher von einer Mauer umgeben war. Auch ein „mit einem spitzen Helm versehener Turm“ verlieh dieser Kirche ein eindrucksvolles Aussehen. Die seinerzeitigen Pfarrgemeindemitglieder wurden dabei von Anfang an und dies bis 1762 von der Bamberger Pfarrei „Zu Unserer Lieben Frau“ (= Obere Pfarre) betreut, die dafür regelmäßig Kapläne abstellte. Zum Kirchenpatron avancierten die heiligen Siebenschläfer, die ja auch heute noch durch die 1696 geweihte Kapelle an der "Hartlandener Straße" (sog. Siebenschläferkapelle) mit Stegaurach verbunden geblieben sind.

Dem Wunsch nach einem größeren, den damaligen Bedürfnissen angemessenen Gotteshaus entsprechend wurde 1746 bis 1748 durch den Bamberger Baumeister Johann Schindler eine neue Kirche errichtet. Bis 1804 war diese noch den heiligen Siebenschläfern geweiht. "Unbefleckte Empfängnis Mariens", so lautet der offizielle Titel der Stegauracher Pfarrkirche heute.

Im Jahre 1801 hatte der Ort "einige 60 Haushalten, welche verschiedene Lehen sind der Fürstlichen Hofkammer Vogtei, der Lichtensteinische und Crailsheimische Lehen".

Die Entwicklung der Bevölkerung Stegaurachs erfolgte mit den Kirchenerweiterungen 1746 und zuletzt 1848. Im Jahre 1912 hatte Stegaurach 583, 1933 schon 666 und im Jahre 1945 bereits 725 Einwohner. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Entwicklung zur politischen Großgemeinde in rasantem Tempo fort. Im Jahre 1956 hatte Stegaurach bereits 1.147 Einwohner. Heute zählt Stegaurach mit allen Gemeindeteilen über 6.800 Einwohner.

Der Ort Stegaurach ist insbesondere in Monaten mit "r" auch ein beliebtes Ausflugsziel für Fischesser, die auf einen lecker zubereiteten Karpfen nicht verzichten wollen. Die Karpfenzucht in Stegaurach ist uralt und geht auf Jahrtausende zurück.

Die Gemeinde Stegaurach führt ein eigenes Gemeindewappen, das die geschichtliche Entwicklung wiederspiegelt.

Gemeindegebietsreform

Aufgrund der Förderung freiwilliger Gemeindezusammenschlüsse und zur Verbesserung der kommunalen Leistungs- und Verwaltungskraft wurde die ehemals selbständige Gemeinde Höfen (mit den Gemeindeteilen Höfen, Knottenhof, Unteraurach und Waizendorf) mit Wirkung vom 01.01.1972 in die Gemeinde Stegaurach eingegliedert. Durch diesen auf freiwilliger Basis und mit Zustimmung der Mehrheit der betroffenen Gemeindebürger erfolgten Zusammenschluss erhöhte sich die Einwohnerzahl von Stegaurach um 554 Einwohner und die Gemarkungsfläche um 467,1509 ha.

Ebenso wie bei der damaligen Gemeinde Mühlendorf scheiterte die gleichzeitige Eingemeindung der seinerzeit selbständigen und heute zur Stadt Bamberg gehörigen Gemeinde Wildensorg am Votum der Gemeindebürger und des damaligen Gemeinderates.

Weiterhin wurde gleichfalls auf freiwilliger Basis der ehedem der Gemeinde Hartlanden zugeordnete Gemeindeteil Dellern zum 01.01.1973 nach Stegaurach eingegliedert. Mit Wirkung vom 01.04.1975 erfolgte dann die Eingliederung der Gemeinde Hartlanden (mit den Gemeindeteilen Dellerhof und Hartlanden) nach Stegaurach. Hartlanden umfasste seinerzeit eine Fläche von 196 ha und 223 Einwohner.

Die Eingliederung der ehemals selbständigen Gemeinde Mühlendorf (mit den Gemeindeteilen Kreuzschuh, Mühlendorf und Seehöflein) folgte mit Wirkung vom 01.01.1978. Zum Zeitpunkt der Eingliederung zählte Mühlendorf 727 Einwohner bei einer Gemarkungsfläche von 615 ha.

Im Zusammenhang mit der Gebietsreform wurde zum 01.05.1978 die Verwaltungsgemeinschaft Stegaurach, die ihren Sitz im Rathaus in Stegaurach hatte, gebildet, der die Gemeinde bis zum 31.12.2012 angehört hat. Wegen Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft hat die politische Gemeinde Stegaurach daher erst seit 01.01.2013 wieder eine eigenständige Verwaltung.

Zur heutigen Gemeinde Stegaurach gehören folgende (10) Gemeindeteile: Stegaurach, Mühlendorf, Kreuzschuh, Hartlanden (mit Dellerhof), Dellern, Debring (mit Mutzershof), Unteraurach (mit Knottenhof), Waizendorf (mit Kaifeck), Seehöflein und Höfen.

Ein modernes Rathaus, die Grund- und Hauptschulgebäude der Volksschule "Altenburgblick" in Stegaurach und Mühlendorf, eine eigene mechanisch-biologische Kläranlage, diverse Freizeit- und Sportanlagen, eine neue Dreifachsport- und Mehrzweckhalle, eine Gemeindebücherei, zwei moderne Kindergärten unter Trägerschaft der Katholischen Kirchenstiftung sowie mehrere Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrhäuser sind Zeugen der Aufwärtsentwicklung. Mehrere Großbetriebe, sowie gewerblicher Mittelstand haben sich in Stegaurach niedergelassen und stellen entsprechende Arbeitsplätze zur Verfügung.